LĂŒbeckische BlĂ€tter – 25.03.2017

Junge SĂ€ngerinnen und ein prominenter Solist

Im Aufwind segelt das LĂŒbecker Kammerorchester (LKO), seitdem die Kooperation mit der Musikhochschule (MHL) Konzerte im Großen Saal an der Trave ermöglicht und herausragende Solisten mit der semiprofessionellen Formation konzertieren, die lĂ€ngst zu einem großen Sinfonieorchester gewachsen ist. Am 11. MĂ€rz trat Ludwig Quandt auf, Solocellist der Berliner Philharmoniker, der in LĂŒbeck aufgewachsen ist und sein Studium bei Arthur Troester an der MHL absolvierte. Drei reizende Gesangssolistinnen vertraten die musikalische Jugend, weit fortgeschrittene Studentinnen, die herzerfrischend „Chants d’Auvergne“ von Marie-Joseph Canteloube brachten – Skurriles und Nachdenkliches aus dem Landleben in okzitanischem Dialekt. Meike Buchbinder sang mit ausgreifend leuchtendem Sopran das freche Lied „Anton“, dann lyrisch-hintersinnig „UnglĂŒcklich ist, wer eine Frau hat“ und schöpfte dabei aus enorm fĂŒlligem Stimm-Material. Impressionistisch schweifen ließ Lisa Ziehm „Bailero“ mit raffiniert getöntem Soprantimbre, um dann kokett das Lied „Der Bucklige“ in den Saal zu pfeffern. Die Altistin Annemarie Wolf schattierte eindringlich in dunkel-warmer Tönung die schmerzerfĂŒllte SphĂ€re von „Die Verlassene“. Zum großen Erfolg trug der schillernde Klang des Orchesters bei, aus dem sich die SoloblĂ€ser schön heraushoben. Bruno Merse feuerte sein Orchester markant an. Auch Brittens „Four Sea Interludes“ gefielen, intensive Naturbilder, die Seelenstimmungen spiegeln in farbiger Instrumentation. Streicher, Flöte und Harfe malten spannungsvoll „DĂ€mmerung“, gefolgt von Glockenallusionen („Sonntagmorgen“), fahl schweifendem „Mondschein“ und impulsiv brausendem Orchestertutti in „Sturm“. Feinsinn, Nachdenklichkeit und Eleganz breitete Ludwig Quandt in Dvoƙáks Violoncellokonzert h-Moll aus, Lyrik in hoher Lage und hintergrĂŒndiges Passagenwerk, dessen technische Finessen schwerelos vorĂŒberzogen. Sehnsuchtsvoll funkelten die rhapsodischen ErzĂ€hlungen. Leider ließ sich der Dirigent nicht auf das Konzept des Solisten ein, sondern setzte auf knalligen Breitwandsound, der den Solisten immer wieder ĂŒberdeckte, zumal die tĂŒckische Saalakustik eine subtile Klanggruppenstaffelung im Orchester erfordert. Nach stĂŒrmischem Beifall spielte Quandt die Allemande aus der sechsten Bach-Suite – sensitiv und filigran. Wolfgang Pardey

 

LĂŒbecker Nachrichen – 08.03.2017

Drei junge Stimmen und OrchesterklÀnge
Zweites Konzert des Kooperationsprojektes der MHL mit dem LĂŒbecker Kammerorchester

Die Kooperation zwischen der Musikhochschule LĂŒbeck (MHL) und dem LĂŒbecker Kammerorchester (LKO) geht in die zweite Runde. Am Sonnabend, 11. MĂ€rz, ab 19.30 Uhr begleitet das LKO unter Leitung von Bruno Merse im Großen Saal der Musikhochschule drei Gesangssolistinnen der MHL. Sie prĂ€sentieren die hierzulande selten zu hörenden „Chants d’Auvergne“ des französischen Komponisten Joseph Cantelobe. Das LKO spielt außerdem Werke von Britten und Dvoƙák; weiterer Solist ist der renommierte Cellist Ludwig Quandt.

Die Gesangsstudentinnen Annemarie Wolf (Klasse Prof. Manuela Uhl), Lisa Ziehm (Klasse Isabel Schaarschmidt) und Meike Buchbinder (Klasse Birgit Calm) singen Canteloubes klangfarbige Arrangements französischer Volkslieder und malen dabei musikalische Landschaftsbilder. Der als „Barde der Auvergne“ bezeichnete Komponist sammelte Lieder seiner Heimat und gab sie in verschiedenen Sammlungen, Klavier- und Orchesterarrangements heraus. „Mich hat diese reiche Klangvielfalt sofort in den Bann gezogen“, sagt SĂ€ngerin Lisa Ziehm, die das Lied BaĂŻlĂšro interpretieren wird. Canteloube schrieb es nieder, als er die GesĂ€nge zweier Schafhirten belauschte, die sich ĂŒber weit entfernte Bergweiden zusangen. „Die sphĂ€rischen KlĂ€nge versetzen einen in wunderschöne Naturlandschaften“, sagt Ziehm, die ebenso wie Meike Buchbinder gerade ihre AbschlussprĂŒfung abgelegt hat.
Von Benjamin Britten erklingt „Four Sea Interludes from Peter Grimes“, ausdrucksstarke Orchesterzwischenspiele mit großem Schlagwerk, die Britten nach dem Erfolg seiner Oper zu einer Suite zusammenstellte. Expressiv vermittelt das Orchester die dĂŒstere und unberechenbare Gefahr des Meeres an der englischen OstkĂŒste, die Wildheit der Natur und die bedrĂŒckte Seele ihres Protagonisten Peter Grimes. Der Fischer wird fĂŒr den Tod zweier Fischerjungen verantwortlich gemacht und schließlich in den Selbstmord getrieben.
Zusammen mit dem Cellisten und MHL-Absolventen Ludwig Quandt prĂ€sentieren die Musiker dann noch das Cellokonzert h-Moll op. 104 von AntonĂ­n Dvoƙák.  Erstmals 1896 in London aufgefĂŒhrt, gehört es heute zu den berĂŒhmtesten StĂŒcken des Violoncello-Repertoires.
Karten sind fĂŒr 14 und 19 Euro (ermĂ€ĂŸigt acht/zwölf Euro) in allen dem LĂŒbeck-Ticket angeschlossenen Vorverkaufsstellen erhĂ€ltlich. Restkarten gibt es eine Stunde vorher an der Abendkasse.

 

LĂŒbeckische BlĂ€tter – 2016/20 vom 10.12.2016

Der Sinnenreiz des Saxophonklanges

Ein neues Zeitalter bricht fĂŒr das LĂŒbecker Kammerorchester (LKO) an, das schon lange zu einem ausgewachsenen Sinfonieorchester avanciert ist und professionelle Musiker wie auch ambitionierte Amateure vereint. Das Konzert am 19. November eröffnete die Kooperation mit der Musikhochschule, die eine gegenseitige UnterstĂŒtzung der musikalischen Arbeit umfasst. HochschulprĂ€sident Rico Gubler betonte einleitend, dass Soloauftritte von Hochschulstudierenden mit dem LKO einen willkommenen Praxistest ermöglichen und zudem die Hochschule dem Auftrag nachkomme, Musik und Gesellschaft zu verknĂŒpfen. Dazu gehören Gemeinschaftsprojekte mit dem LKO und den Jugendorchestern – Bausteine in der Kulturlandschaft.
Im Großen Hochschulsaal prĂ€sentierte die junge Santa Bukovska aus der Klasse Gubler ĂŒberaus schön Alexander Glasunows Saxophonkonzert Es-Dur. Die Lettin bezauberte mit raffiniert schweifender Melodik und warmer FĂŒlle des Wohllauts, die in wilde Kapriolen mĂŒndete – ein virtuos hingepfeffertes Treiben voller technischer Perfektion. Die SaxophonerzĂ€hlungen trug ein verlĂ€ssliches Streicherfundament, dessen Faktur zwischen Romantik und Neoklassiszimus pendelt, kontrapunktisch klar gearbeitet ist und französischen Einfluss verrĂ€t. Im Pariser Exil schrieb Glasunow das Werk fĂŒr den legendĂ€ren Sigurd Rascher, der dem Instrument den Weg in den klassischen Konzertsaal bahnte. Unter Bruno Merses Leitung fanden die LKO-Streicher zu intensiv drĂ€ngendem Ausdruck.
Begonnen hatte der Abend mit Wagners “Rienzi”-OuvertĂŒre, in der sich nach etwas zaghaftem Beginn martialische Klangballungen entfalteten, realisiert von schlagkrĂ€ftigen BlechblĂ€sern, blitzendem Holz und sonoren Streichern. Bruno Merse steuerte die Klangfluten, die sich konturiert entfalteten, in das noble Melos des Gebets-Motivs mĂŒndeten und schließlich volksfesthafte ZĂŒge annahmen. Tschaikowskys sechste Sinfonie “PathĂ©tique” rundete das Konzert. Die musikalische LabilitĂ€t des ersten Satzes erfuhr eine weit ausgreifende Interpretation zwischen DĂŒsternis und Knalleffekt. Dirigent Bruno Merse leuchtete effektsicher Grazioso-SphĂ€re und manisches GetĂŒmmel in den BinnensĂ€tzen aus, bis das Finale in Larmoyanz erstarb. Hervorragend wirkten die Soli etwa von Klarinette und Fagott, der Samtglanz aller Streicher und die enorme Strahlkraft der BlĂ€ser. Ein großer Erfolg. Wolfgang Pardey

LĂŒbecker Nachrichten – 16.11.2016

Die große BĂŒhne fĂŒr junge Musikstudenten – Kooperation zwischen Hochschule und LĂŒbecker Kammerorchester

Geigen, Bratschen, Celli und KontrabĂ€sse erfĂŒllen den Raum mit ihrem Klang – und dann setzt die Lettin Santa Bukovska mit ihrem Saxophon ein, und die Luft scheint zu vibrieren. Dirigent Bruno Merse fĂŒhrt ein strenges Regiment: “Ich hör’ euch nicht”, mahnt er. Wenig spĂ€ter fordert er “ganz wenig Bogen” und rĂŒffelt mit einem LĂ€cheln: “Ihr seid zu spĂ€t”. Aber dann folgt kurz darauf ein dickes Lob: “Sehr gut”.
Das 1996 gegrĂŒndete LĂŒbecker Kammerorchester (LKO), ein ausgewachsenes Sinfonieorchester, das professionelle Musiker und ambitionierte Amateure zu einem hinreißenden Klangkörper vereint, probt im Carl-Loewe-Saal des Katharineums; und die Solistin ist die Erasmus-Studentin Santa Bukovska aus Riga, die einige Monate an der Musikhochschule LĂŒbeck (MHL) studiert und begeistert ist von der Möglichkeit,  die ihr hier geboten wird. Am nĂ€chsten Sonnabend hat die MHL-PreistrĂ€gerin im Großen Saal der Musikhochschule ihren großen Auftritt.
Die Musikhochschule und das LĂŒbecker Kammerorchester haben ein einzigartiges BĂŒndnis geschmiedet. Die Studenten können gemeinsam mit den Sinfonikern musizieren, vor großem Publikum auftreten und die unverzichtbare BĂŒhnenluft schnuppern. Das Kammerorchester wiederum hat mit dem Großen Saal der Musikhochschule eine “weitere attraktive Auftrittsmöglichkeit in LĂŒbeck”, betont Hagen Sommerfeldt, Hornist und Vorsitzender des LKO. Er freue sich ĂŒber die Zusammenarbeit mit der MHL: “Unser Ziel und Anspruch war es stets, ein selbstverstĂ€ndlicher Bestandteil des LĂŒbecker Kuturlebens zu sein. ” Die Musikhochschule hat zwar ein eigenes Orchester, kann aber, so VizeprĂ€sident Prof. Dieter Mack, “nicht alle Instrumente so optimal besetzen, wie wir wollen”.  Bruno Merse, Chefdirigent des LKO, der seine musikalische Karriere unter anderem als Konzertmeister der LĂŒbecker Philharmoniker begann, will “jeden Musiker an seine Leistungsgrenze bringen”. Die kĂŒnstlerischen AnsprĂŒche dieses Kooperationsprojektes sind entsprechend hoch. “Die Studierenden mĂŒssen sich ihren Auftritt als Solisten in einem internen Wettbewerb erstreiten”, betont MHL-Sprecherin Susanne Pröbsting. So wie die Saxophonistin Santa Bukovska, die in der Klasse von MHL-PrĂ€sident Prof. Rico Gubler studiert. “FĂŒr junge Musiker ist der Wettbewerbsgedanke ganz wichtig. Das bringt sie weiter”, unterstreicht Dieter Mack.
Alle kĂŒnfigen Konzerte werden von den beiden Kooperationspartnern gemeinsam erarbeitet. Rico Gubler: “Mit dem LĂŒbecker Kammerorchester haben wir einen Partner gefunden, der unseren Studierenden unterschiedlichster Fachrichtungen wertvolle Erfahrungen im Rahmen ihrer Ausbildung ermöglicht.” Denn die LĂŒbecker Musikstudenten erhalten die Gelegenheit, als Dirigent, Komponist oder als Instrumental- oder Gesangssolist praktische Erfahrungen in der Arbeit mit einem Sinfonieorchester zu sammeln und zu vertiefen. Auch Dieter Mack steckt große Erwartungen in das BĂŒndnis und ist begeistert: “Wann haben Studierende schon die Möglichkeit, eigene OrchesterstĂŒcke aufzufĂŒhren?” Besonders reizvoll fĂŒr die Studierenden sei auch, dass Solisten und Komponisten sich gemeinsam das StĂŒck erarbeiten. Im FrĂŒhjahr beginnt ein Kompositionswettbewerb; die AuffĂŒhrung ist ein Jahr spĂ€ter. Geplant sind zwei musikalische Projekte pro Jahr.
Start der Kooperation von MHL und Kammerorchester ist am Sonnabend das Konzert mit der Instrumentalsolistin Santa Bukovska. Die freut sich, bei der Zusammenarbeit mit den Sinfonikern “viele neue Dinge zu entdecken”.
Am Sonnabend, 11. MĂ€rz findet im Großen Saal der MHL das FrĂŒhjahrskonzert statt. Da betritt eine Gesangssolistin oder ein Gesangssolist die BĂŒhne. Im Herbst kommenden Jahres schließlich haben zwei Studierende als Dirigent und Solist ihren Auftritt, und im FrĂŒhjahr 2018 schlĂ€gt die Stunde des Komponisten-Solisten-Teams.     Torsten Teichmann

LĂŒbeckische BlĂ€tter – 2015/21 vom 19.12.2015

Begeisterung fĂŒr die Musik

Das LĂŒbecker Kammerorchester gehört zu den speziellen Ensembles, die das Musikleben der Region bereichern. Auf gleichsam professionellem Niveau spielen Instrumentalisten aus allen möglichen Berufen, Apothekerin, Chefarzt, Jurist, Lehrer, Angestellte; mit Musikstudium oder privater Ausbildung – allen ist die Kunst der Töne Herzenssache. Aus der kleinen Gruppe ist ein großbesetztes Sinfonieorchester geworden, das sich ein immer anspruchsvolleres Repertoire erobert hat und im FrĂŒhjahr sogar Strawinskys teuflisch schweres „Sacre du printemps“ erfreulich bewĂ€ltigte. Zwei Konzertserien pro Jahr stehen auf dem Plan, mit vorausgehenden Probenblöcken. Nun war die selbstverwaltete Formation in der Waldorfschule zu Gast und begann mit Schumanns zerklĂŒfteter „Manfred“-OuvertĂŒre. Wild trumpften die EinleitungsschlĂ€ge im Tutti auf, dann entwickelten die Streicher und BlĂ€ser schön phrasierte Melodielinien, die sich zu einem SeelengemĂ€lde voller Zerrissenheit auswuchsen; dĂŒster und eindringlich. Chefdirigent Bruno Merse achtete auf Feinheiten von Dynamik wie Klangfarbe und fĂŒhrte mit dezidiert klarer Zeichengebung, forsch und anfeuernd. Als Solist war am 15. November Tobias FĂŒller dabei, der Haydns Trompetenkonzert Es-Dur exquisit blies. Klangschön und beweglich durchmaß er die sprudelnde Thematik, ließ den Mittelsatz sensitiv schwingen und das Finale virtuos vorĂŒberhuschen. Das Orchester spielte auch hier in einer 12er-Besetzung, ungewöhnlich bei Haydns filigranem Tonsatz, und hörte sich entsprechend massig an. Besser wirkte die Zugabe, in der FĂŒllers FlĂŒgelhornkantilenen lasziv changierten und die Trompete strahlte. Rundum gelungen durchmaß das Orchester Elgars „Enigma“-Variationen, in denen die Klanggruppen auftrumpfen konnten. Der Komponist durchschreitet alle möglichen Ausdrucksstadien in Solo- und Tuttikombinationen, entwickelt tĂŒftelige Satzstrukturen und bombastische Wirkungen. Den erheblichen Schwierigkeiten wurden Orchester und Dirigent famos gerecht. Elegische Jugendstilmelodik wechselte mit temperamentvollen EntĂ€ußerungen, bei denen schon mal der Taktstock durch die Luft sauste und das Becken, mit gerissener Lederschlaufe, lautstark zu Boden ging. Viel Beifall gab es fĂŒr die Gesamtleistung und dann den „Nimrod“-Satz als Zugabe.

Wolfgang Pardey

Markt – 02.04.2014

Tiefe Leidensstimmung und Klangraffinessen
LĂŒbecker Kammerorchester gastierte in der Tymmo-Kirche

LĂŒtjensee [mapa]. Das Orchester war mit rund 75 Musikern um den Altar der Tymmo Kirche von einer Wand zur anderen verteilt. Zu Gast war unter der langjĂ€hrig kĂŒnstlerischen Leitung von Bruno Merse das LĂŒbecker Kammerorchester. Weiterhin unter diesem KĂŒnstlernamen bekannt, ist es inzwischen zu einem Sinfonieorchester herangewachsen.
Mit unentwegt vorwĂ€rtstreibender, packender Interpretation und einem Nachhall in zweierlei Sicht, brachte der Klangkörper aufwĂŒhlende, wuchtige Kompositionen in die Kirche. Begonnen hatte das Konzert mit der „Fantasie-OuvertĂŒre Romeo und Julia“ von Peter Tschaikowski, bei der er sich von Shakespeares Tragödie, der tragischen Liebe und Zerrissenheit der beiden Liebenden, inspirieren lassen hat. Dem jungen Tschaikowski gelang es, die emotionalen Ebenen musikalisch zu pointieren und zu kontrastieren. Schon bei den ersten Akkorden in der schicksalhaft-leidenschaftlichen Welt wurde deutlich, mit welch langem Nachhall und extrem reïŹ‚exionsreicher Akustik eine Kirche ausgelegt ist und ungewollte Effekte ins Spiel bringt. Nach dieser sehnsĂŒchtig dramatischen Komposition zauberte der Konzertgitarrist Mirco Oldigs sĂŒdlĂ€ndisches Flair mit einem GefĂŒhl von Lebensfreude, Sonne und Urlaub in die Kirche. Zu hören war als Klangraffinesse von Joaquin Rodrigo „Concierto de Aranjuez“. Schnell gelang es dem Solisten, ob melodiefĂŒhrend oder als Begleitung zum Orchester, mit virtuosem Schwung das Publikum mit diesen „OhrwurmklĂ€ngen“ in Bann zu ziehen. Mit lockerer Geste entfachte er auf seiner Gitarre ein Feuerwerk der Töne, das er rhythmisch mitreißend und klangvoll melodisch gestaltete. Mal behutsam, dann wieder feurig — auch in den schwierigsten doppelgriffigen Passagen — schienen seine ïŹ‚iegenden Finger mit außerordentlich weicher Tongebung förmlich mit den Saiten zu verschmelzen, um der Gitarre herrlich vertrĂ€umte KlĂ€nge zu entlocken. WĂ€hrend sich das Orchester bis dahin noch etwas zurĂŒckhalten durfte, stand mit der sechsten Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch noch Aufbrausendes bevor. So wurden mit Beginn der Pause schon die „lauten Töne“ angekĂŒndigt. Hier durften alle Instrumentengruppen, besonders die BlĂ€ser und das Schlagwerk, aus dem Vollen schöpfen. Nun bietet dieses bilderstĂŒrmerische und thematisch anspruchsvolle Werk viel Konflikthaltiges. Es durchlebt Schreckensjahre; denn es entstand wĂ€hrend stalinistischer UnterdrĂŒckung in einer Zeit der akuten Lebensangst des Komponisten. Dieser befand sich zwischen Leben und Tod. Die tiefe Leidensstimmung hat er in seiner Musik herausgearbeitet und sie kryptisch auch seinen Sinfonien anvertraut. Entsprechend rhythmisch pulsierend, wuchtig, plastisch und farbig geht er dem Kern der Sache nach. „Viele meiner Werke befassen sich mit dem Thema des Krieges. Dies war leider nicht meine eigene Wahl. Es wurde mir von meinem Schicksal diktiert“, so die ErklĂ€rung des 1975 verstorbenen Komponisten. Das makellose Zusammenspiel der Musiker, auch die optisch beeindruckend anzusehende, lebendige Schlagtechnik des temperamentvollen Dirigenten beherrschte das Konzert und wurde mit Freude aufgenommen. So musste er nicht auf die Bremse treten oder anpeitschen, das Geschehen entwickelte sich wie von selbst. Mit heftigem Beifall bekundeten die mehr als 200 Besucher ihre Begeisterung und hĂ€tten gern noch eine Zugabe gehört.

LĂŒbecker Nachrichten – 03.09.2013

Musik der Freundschaft
LĂŒbecker und Pariser Orchester spielten gemeinsam.

Am Sonnabend kam es zu einem denkwĂŒrdigen Konzert in der Aula der Freien Waldorf-Schule LĂŒbeck. Aus Anlass des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens zwischen Frankreich und Deutschland (,,ÉlysĂ©e-Vertrag”) hatte sich das LĂŒbecker Kammerorchester mit dem französischen Orchestre Impromptu aus Paris zusammengetan. Die Musiker sind einander nicht unbekannt. So unternahmen sie bereits gemeinsam eine Konzerttournee durch China zum Jahreswechsel 2012/13, was die etwas eigenwillige Programmgestaltung erklĂ€ren mag. Anfangs erklang Brahms’ spĂ€tes Doppelkonzert a-moll fĂŒr Violine, Violoncello und Orchester op. 102, das die Musiker mit vollem Einsatz und krĂ€ftigem Klang unter ihrem Dirigenten Bruno Merse angingen. Als Solisten waren der Konzertmeister der LĂŒbecker Philharmoniker Carlos Johnson, Violine und der rumĂ€nische Cellist Rodin-George Moldovan engagiert worden. Dabei ergĂ€nzte der zurĂŒckhaltender und differenzierter agierende Carlos Johnson den mit großer Geste und leidenschaftlicher Hingabe musizierenden Cellisten, so dass beide Parts ganz im Sinne Brahms’ zu einem Instrument zu verschmelzen schienen.
Im zweiten Teil umrahmten dann FrĂŒhlingsstimmen-Walzer, Tritsch-Tratsch-Polka und Radetzky-Marsch von Johann Strauß Sohn und Vater zwei GenrestĂŒcke chinesischer Komponisten: Li Huanzis OuvertĂŒre ,,Zum FrĂŒhlingsfest” und Hams’s Oweens ,,Angry Birds”. Zum Schluss erklang die Filmmusik zu ,,Fluch der Karibik”, deren Stil und Ausdruckswelt so weit entfernt von den chinesischen StĂŒcken gar nicht lag. Das Publikum im gut besuchten Saal war begeistert. Dieter Kroll 

LĂŒbecker Nachrichten – 17.03.2013

Dvorak und Brahms im Johanneum
Das Kammerorchester LĂŒbeck ist zurĂŒck aus dem Reich der Mitte – und spielt heute wieder.

Deutsch-französisch-chinesischer Austausch: Gemeinsam mit ihrem Partnerorchester aus Paris, dem französischen Orchestre Impromptu, war das Kammerorchester LĂŒbeck kĂŒrzlich in China. WĂ€hrend ihrer Konzertreise traten sie in verschiedenen StĂ€dten im Osten des Landes auf. Das 70-köpfige Orchester unter der Leitung des französischen Dirigenten Alain Charron fĂŒhrte sowohl bekannte Werke westlicher Musik als auch verschiedene chinesische StĂŒcke auf. DarĂŒber hinaus wurden dem begeisterten Publikum auch Ausschnitte aus Filmmusik und traditionellen chinesischen Volksliedern geboten. Absolutes „Highlight” der Konzertreise, so Wolfram Schmidt vom Kammerorchester, „war der Auftritt im Grand Theatre Wuxi, einem architektonischen und akustischen Vorzeigeprojekt, welches Ähnlichkeiten mit dem Opernhaus in Sydney aufweist”. Seit seiner RĂŒckkehr aus China probt das LĂŒbecker Kammerorchester an seinem FrĂŒhjahrsprogramm, das am heutigen Sonntag um 17 Uhr in der Aula des Johanneums zu hören sein wird. Auf dem Programm stehen die 7. Sinfonie von AntonĂ­n Dvorak sowie das Violinkonzert von Johannes Brahms. Solist ist Maxim Kosinov. Karten kosten zwölf Euro (ermĂ€ĂŸigt sechs Euro) und sind an der Abendkasse zu erhalten.

LĂŒbecker Nachrichten – 27.05.2012

LĂŒbecker Musiker zu Gast in Paris
Kammerorchester spielte erstmals mit dem Orchestre Impromptu zusammen

Kurz nach der Wahl von François Hollande zum PrĂ€sidenten Frankreichs, nĂ€mlich am Himmelfahrtstag, hat  das LĂŒbecker Kammerorchester sein musikalisches Engagement fĂŒr die deutsch-französische Freundschaft bewiesen. Es folgte ĂŒber Himmelfahrt der Einladung des Pariser Orchestre Impromptu und interpretierte mit ihm zusammen unter der Leitung von Maxime Pascal in einer Kirche nahe des Eiffelturms vor mehreren Hundert Zuhörern die “Symphonie fantastique” von Hector Berlioz. Neben Proben erlebten die LĂŒbecker in der französischen Hauptstadt ein vielseitiges Besichtigungsprogramm sowie eine unglaublich gastfreundliche Aufnahme bei den französischen Musikern. “Am Ende waren sich alle einig, dass dieses erste gemeinsame Konzert als Beginn einer musikalischen Freundschaft zu sehen ist”, sagt Wolfram Schmidt, Mitglied des LĂŒbecker Kammerorchesters. Was denn heißt: Die Freundschaft wird mit einem Gegenbesuch des Orchestre Impromptu  2013 in LĂŒbeck fortgefĂŒhrt: Schmidt: “Möglicherweise aber werden sich schon zuvor Musiker beider Orchester in Shanghai treffen, um dort auf eine organisierte Konzertreise mit mehreren Aufritten zu gehen.”

LĂŒbeckische BlĂ€tter – 07.04.2012

Die poetische Klarinette und ein Höllenspektakel beim LĂŒbecker Kammerorchester

LĂ€ngst ist das LĂŒbecker Kammerorchester zu einem großen Sinfonieorchester gewachsen, in dem professionelle Musiker, teilweise in anderen Berufen beschĂ€ftigt, neben ambitionierten Amateuren sitzen und sich engagieren – das prĂ€gt die AtmosphĂ€re. Probleme der Besetzungsfluktuation und die unendliche Organisationsarbeit lösen die Ensemblemitglieder in eigener Regie. Bei der Programmplanung solcher Formationen fĂ€llt auf, wie das ĂŒbliche barocke und klassische Reperloire ins Hochromantische gewachsen ist, wie die Grenze der musikalischen Abenteuer immer weiter hinausseschoben wird: so auch beim gelungenen Konzert am 18. MĂ€rz in St. Aegidien.

Recht kurzfristig hatte Anna-Sophie BrĂŒning – einige Jahre stellvertretende Konzertmeisterin der LĂŒbecker Philharmoniker, nun erfolgreiche Dirigentin – die Leitung ĂŒbernommen und die nicht eben einfache Werkfolge auf Hochglanz gebracht. Energisch und klar in der Zeichengebung trieb sie in Beethovens ,,Coriolan”-OuvertĂŒre die geballten TuttischlĂ€ge und die nervöse Unruhe voran, gab MelodieaufschwĂŒngen Raum und ließ den Schluss nachdrĂŒcklich ersterben. Die Violinen dominierten ĂŒber GebĂŒhr in der tĂŒckischen Kirchenakustik, was auch durch die deutsche Orchesteraufstellung begĂŒnstigt wurde. Celli und KontrabĂ€sse vorn rechts an der BĂŒhnenrampe, nach amerikanischer Praxis, hĂ€tten das Klangbild gerundet. Hervorragend entfalteten sich die BlechblĂ€ser. wĂ€hrend man den HolzblĂ€sern getrost eine Podeststufe hĂ€tte spendieren dĂŒrfen. Webers zweites Klarinettenkonzert Es-Dur gehörte, nach hymnischem Orchesterbeginn, ganz Katharina Ruf, die schmelzendes Melos ins Spiel brachte, sonore Tiefe und feines Piano, ÜbergĂ€nge schwĂ€rmerisch ausmusizierte und im Finalsatz brillante Girlanden wirbeln ließ – virtuos gepfeffert. Ganz besonders gefiel die dunkle Farbmalerei des Klarinettentons im langsamen Satz, phantasievoll erzĂ€hlende Eleganz voller Romantik. In die gefĂ€hrlichen AbgrĂŒnde einer KĂŒnstlerexistenz tauchte man bei Berlioz’ Symphonie fantastique. Eine Glanzleistung des Orchesters, das unheilschwanger und leidenschaftlich die TrĂ€umereien auffĂ€cherte, dem Walzer manisch depressives Schweifen aufprĂ€gte und in der Landszene jedoch stellenweise etwas direkt wirkte, wo es doch eher auf eskapistisches Sehnen ankommt, mit fernem Grollen. Die opiumgeschwĂ€ngerten SĂ€tze spielte das Orchester unter der zupackenden Dirigentin aufwĂŒhlend. Zwar können die Besetzungsvorschriften des Komponisten kaum erreicht werden. Doch hilft die geniale Instrumentation. Raffinierte Streicherklangverschiebungen, das rasante Fagottsolo, Glocken und Schlagwerk, ausgezeichnete BlechblĂ€ser schlossen sich mit den ĂŒbrigen Gruppen zu einem fabelhaften Gesamtklang mit Knalleffekt zusammen. (Wolfgang Pardey)

LĂŒbecker Nachrichten – 15. Juni 2010

Der Musiksommer feiert einen glanzvollen Auftakt. Zwei Chöre, das LĂŒbecker Kammerorchester sowie Solisten unter der Leitung von Bruno Merse gestalteten das Konzert.

Neustadt – Was fĂŒr ein Auftakt! Der Kammerchor Neustadt (Einstudierung Andreas Brunion), das LĂŒbecker Vokalensemble (Einstudierung BĂ€rbel Barschkies) sowie das LĂŒbecker Kammerorchester unter der Gesamtleitung von Bruno Merse schwangen sich im Eröffnungskonzert in der Stadtkirche Neustadt zu einer Leistung auf, die den Zuhörern zeitweise den Atem stocken ließ.

Das Programm begann mit der “Berliner Messe”, von Arvo PĂ€rt einst als Auftagswerk 1990/91 zum Deutschen Katholikentag komponiert. Ob es nun das elegische “Kyrie”, das lebhaftere “Gloria”, das “Credo” oder das darauf folgende, nachdenklich introvertierte “Sanctus” waren, um dann mit dem ruhigen, sphĂ€renhaften “Agnus Dei” zu Ende zu gehen – die Vielfalt des Chorgesangs reichte von flehender Bitte ĂŒber Warmherzigkeit bis hin zum letzten, nur gehauchten, sich verflĂŒchtenden “Amen” und ließ so eine geradezu spirituelle Aura entstehen.

Dirigent Bruno Merse schaffte mit den so wichtigen Augenblicken der Stille und des Innehaltens eine zutiefst beseelte AtmosphÀre. Gleichzeitig demonstrierten sÀmtliche Mitwirkenden, dass man mit dem Minimalismus moderner Kirchenmusik das Publikum ausnahmslos fesseln kann.

Der mittlere Teil des Konzerts gehörte der sinfonischen Dichtung “Les PrĂ©ludes” von Franz Liszt, ein Werk, das wegen der Misshandlung durch faschistische Kriegspropaganda schwer gelitten hat und jahrzehntelang nicht aufgefĂŒhrt wurde. Unter der Leitung seines Dirigenten Bruno Merse spielte das großartig besetzte und hier opulent musizierende LĂŒbecker Kammerorchester das StĂŒck kraftvoll, ausdruckstark, in jedoch nie nachlassender Transparenz.

Dem “Stabat Mater” op. 53 von Karol Szymanowski gehörte der dritte und letzte Teil des Konzertabends. Mit der Sopranistin Vida Mikneviciute, der Altistin Ulrike Schneider sowie dem Bariton Antonio Yang kamen hier drei hervorragende Solisten zum Einsatz, denen es bewundersnswert gelang, mit ihrem Gesang Zartheit, Verhaltenheit, Dramatik, MitgefĂŒhl und ReligiositĂ€t zum Ausdruck zu bringen. Der Chorgesang erklang erneut zutiefst erschĂŒtternd. FĂŒr alle noch folgenden AuffĂŒhrungen wird es schwierig werden, dieses Konzert zu ĂŒbertreffen. (Renate Schley)

LĂŒbeckische BlĂ€tter – 18. April 2009

FrĂŒhjahrskonzert des LĂŒbecker Kammerorchesters.

Das LĂŒbecker Kammerorchester (LKO) fĂŒllt seit 13 Jahren im LĂŒbecker Musikleben die LĂŒcke zwischen professionellen Orchestern und Laien- oder SchĂŒlerorchestern. Es gibt Instrumental- und Musiklehrern, ehemaligen Berufsmusikern und versierten Laien die Möglichkeit, auf hohem Niveau anspruchsvolle sinfonische Werke unter wechselnden Dirigenten zu gestalten, so auch im diesjĂ€hrigen FrĂŒhjahrskonzert am 28. MĂ€rz – einem Tag, an dem von FrĂŒhling noch wenig zu spĂŒren war. Aber der Spielfreude der etwa 50 Mitwirkenden tat das keinen Abbruch. Etwas verhalten begann man mit Rachmaninows 2. Klavierkonzert, eines wegen seiner emotional bewegenden Themen und seines pianistisch reizvollen Soloparts immer wieder gern gespielten Konzertes. Als Solist war Martin Schumann zu hören, Professor fĂŒr Klavier an der Hamburger Musikhochschule. Versiert ĂŒberspielte er die MĂ€ngel des SchulflĂŒgels wie auch die akustischen Probleme, die sich aus der Platzierung des Orchesters entlang der Breitseite der Aula des Katharineums mit der auch fĂŒr die Zuhörer unglĂŒcklichen Hörperspektive ergaben. Doch brachte man dank der akkuraten Dirigierweise Bruno Merses eine achtbare AuffĂŒhrung zustande.

Bruno Merse, ehemals Geiger im Philharmonischen Orchester LĂŒbeck, jetzt Solobratscher der Hamburger Symphoniker, arbeitete als Dirigent, auch als Solist schon wiederholt mit dem LKO zusammen. FĂŒr den zweiten Teil hatte er zwei weitere osteuropĂ€ische Komponisten gewĂ€hlt. ZunĂ€chst war es der polnische SpĂ€tromantiker Moritz Moszkowski, dessen “Spanische TĂ€nze” fĂŒr Klavier zu vier HĂ€nden Philipp Scharwenka fĂŒr Orchester eingerichtet hat. Es sind delikate solistische Aufgaben darin zu bewĂ€ltigen, die dem Orchester hörbar Freude bereiteten. Die anspruchsvollste Aufgabe des Abends war allerdings mit der Ballett-Suite zu bewĂ€ltigen, die Igor Strawinsky 1919 aus seinem “Feuervogel” zusammengestellt hat. Die feinen impressionistischen Klangwirkungen und impulsiven Tanzrhythmen bewĂ€ltigte das Orchester mit Bravour. Auch hier konnten wieder etliche Mitglieder in solistischen Partien ihre besonderen FĂ€higkeiten zeigen. Viel Beifall gab es. Zum Dank wiederholte das Orchester den ausdruckstarken “Danse infernale”.

LĂŒbecker Nachrichten – 31. MĂ€rz 2009

Anspruchsvoll und ansprechend.

Ein ansprechendes Programm hatte sich das LĂŒbecker Kammerorchester fĂŒr sein FrĂŒhjahrskonzert in der Aula des Katharineums gewĂ€hlt. Aus Russland und Polen stammten die Komponisten. Sergei Rachmaninows (1873-1943) schwermĂŒtiges 2. Klavierkonzert von 1901, eines der beliebtesten Werke dieser Gattung, war dabei fĂŒrwahr kein EinspielstĂŒck. Doch hatte man mit Martin Schumann, Professor fĂŒr Klavier an der Musikhochschule in Hamburg, einen versierten Solisten, der sich behauptete, auch wenn der SchulflĂŒgel kein optimales Instrument war. Und man kannte sich aus frĂŒheren Konzerten. So klappten die ĂŒbergaben der Themen zwischen Orchester und Solist vorzĂŒglich, etwa im ersten Satz, wenn das Klavier das Thema an die Celli weitergibt.

Dirigent Bruno Merse hatte das Orchester mit seinen mehr als 50 Musiklehrern, mit ehemaligen Berufsmusikern und versierten Laien wieder lobenswert vorbereitet. Die Streicher klangen warm, die Holz- und BlechblÀser bewÀltigten ihre Aufgaben sicher.

Im zweiten Teil hatten die Musiker an den fĂŒnf “Spanischen TĂ€nzen”, das Opus 12 des Polen Moritz Moszkowski (1854-1925), hörbar großen Spass. Es ist ein Werk der romantischen Sehnsucht nach Mediterranem, oft von osteuropĂ€ischen Komponisten in Töne gesetzt. Das Original fĂŒr Klavier zu vier HĂ€nden hat der MusikpĂ€dagoge Philipp Scharwenka farbig fĂŒr Orchester gesetzt.

Es bot eine Reihe von solistischen, sehr gut gemeisterten Aufgaben, wie auch Igor Strawinskis (1882-1971) “Feuervogel”, die anspruchsvollste Aufgabe des Abends mit den reizvoll impressionistischen KlĂ€ngen, dem delikaten Satz und eruptiven Rhythmen. Besonders gefiel das zarte Gespinst der “Berceuse” mit der ausgezeichneten Oboe. Langer Beifall war hochverdienter Lohn, eine Zugabe, der “Danse infernale”, Dank des Orchesters.

LĂŒbecker Nachrichten – 12. November 2008

Kammerorchester mit großer Sinfonik.

Endlich Sonne! Dem Nassgrau dieser Novembertage setzte das so bescheiden benannte LĂŒbecker Kammerorchester ein Programm der hellen, wĂ€rmenden Heiterkeit entgegen. Die “Italienische” von Mendelssohn Bartholdy, seine lichtdurchflutete 4. Sinfonie, war der Mittelpunkt des Herbstkonzerts. Dabei zeigte sich deutlicher als zuvor, dass das Wort Kammerorchester untertreibt. Es ist ein ausgewachsenes sinfonisches Orchester, gut besetzt in den Streichern und vor allem mit einer edlen BlechblĂ€sergruppe, die manchem Vergleich standhĂ€lt. Schöne Stellen im strahlenden Mendelssohnschen A-Dur, die sich auch in der trockenen Akustik der Aula des Katharineums einigermaßen behaupteten: der Jubel des Beginns, der sanfte Hörnerklang im dritten Satz, das aufmunternde Finale im Rhythmus eines neapolitanischen Saltarello. Der jugendlich wirkende Dirigent Bruno Merse wusste hier die Damen und Herren, Musiklehrer zumeist und profilierte Laien, zu begeistern. Begeisterter Applaus in der Aula blieb da nicht aus.

Hochachtung fĂŒr Carlos Johnson. Der Konzertmeister der LĂŒbecker Philharmoniker war sich nicht zu schade, hier als Nummer eins dabei zu sein. Er adelte das Kammerorchester mit einem erstklassig gebotenen Paganini. Das 2. Violinkonzert des italienischen Virtuosen wurde durch ihn zum brillanten Ereignis. Das ohnehin auf die Spitze getriebene, nahezu unspielbare Solistenkonzert machte ihm keinerlei Schwierigkeiten. Mit phantastischen Doppelgriffen und gewagten Flageoletts tanzte Johnson wie ein Artist auf der Geige. “La Campanella” (das Glöckchen) wird Paganinis höchst anspruchsvolles Werk genannt. Mit diesem Solisten und dem ihm zuarbeitenden Orchester erklang voller Glockenton.

LĂŒbecker Nachrichten – 21. November 2007

SpÀtromantik in sanften Harmonien: Felix Woyrsch neu entdeckt.

Wer kennt den Komponisten Felix Woyrsch noch ? Der Unbekannte aus Altona (1860-1944) hat immerhin ein umfangreiches Werk hinterlassen – sieben Sinfonien, drei Opern, viel Kammermusik, Oratorien, Lieder in FĂŒlle. Und er war einer der nicht sehr zahlreichen schöpferischen Musiker Schleswig-Holsteins. Denn als er mehrere Jahrzehnte als Chorleiter, Organist und Musikdirektor in Altona amtierte, war das noch eine selbstĂ€ndige Stadt in Schleswig-Holstein. Alles half nichts gegen das Schicksal, ins Vergessen abzurutschen. Das LĂŒbecker Kammerorchester aber war auf einem guten Wege, als es das Konzert im Katharineum mit zwei Werken von Woyrsch (gesprochen: Worsch) eröffnete.

Feine, tief atmende SpĂ€tromantik in sanften Harmonien und cremigen Farben – eine liebenswĂŒrdige Entdeckung. Nach Böcklins berĂŒhmtem GemĂ€lde entstand die matt getönte “Toteninsel”. Die erweiterte Kammerbesetzung konnte den Wert des OrchesterstĂŒcks eindrĂŒcklich beweisen und damit zeigen, daß es sich ĂŒberhaupt lohnen wĂŒrde, mal auf Felix Woyrsch zurĂŒckzugreifen.

Ein geradezu ĂŒppiges Programm fĂŒhrte danach den Fleiß und die Ambitionen des Orchesters vor. Chopins f-Moll-Klavierkonzert entfaltete mit dem hervorragenden Hamburger Klavierprofessor Martin Schumann die mĂ€nnliche Kraft und WĂŒrde des schönen Werks. Und wer befĂŒrchtet hatte, ein Kammerorchester könnte sich mit der FĂŒnften von Beethoven verheben, sah sich erfreulich getĂ€uscht. Unter dem jungen Dirigenten Bruno Merse entwickelten die LĂŒbecker Musiklehrer, der harte Kern der musizierenden Gruppe, ein energisch durchgehaltenes Tempo bis zum mitreißenden Wirbel des letzten Satzes. Die Freude ĂŒber den enormen Applaus war danach groß.

LĂŒbecker Nachrichten – 15. Mai 2007

Am Sonntagnachmittag bewies das LĂŒbecker Kammerorchester in St. Aegidien, dass seine Benennung eine Untertreibung ist. Es ist durchaus ein regelrechtes Sinfonieorchester, nur eben in kleinerem Format… Mit der schönen achten Sinfonie von Antonin Dvorak hatte sich das Orchester ein StĂŒck Arbeit verschrieben, bei dem zu fĂŒrchten war, es könne die KrĂ€fte ĂŒbersteigen. Doch das anspruchsvolle Werk ist in vielen Teilen sogar glĂ€nzend geschafft worden. Der junge Dirigent Till Drömann war dafĂŒr ein exakter Impulsgeber. Die exakten und zugleich temperamentvollen BlechblĂ€ser fanden den erfrischenden Folkloreton oft besser als die Streicher, die fĂŒr die sinfonische ErzĂ€hlhaltung zu wenig Volumen hatten. Das gilt ebenso fĂŒr das reizvolle Violinkonzert Nr. 2 von Sergej Prokofieff.

Bruno Merse gestaltete den Solopart mit Elan und ĂŒbermittelte voller Freude die geigerischen EinfĂ€lle…”Ein Sonnenaufgang” nennt der 1964 geborene Klaus Heilmann sein Werk. Lyrische Stimmungsbilder in verschwimmenden Farben werden ergĂ€nzt vom rhythmischen Selbstbewußtsein vornehmlich der HolzblĂ€ser. Das StĂŒck hat musikalische Substanz, die man in grĂ¶ĂŸerem Rahmen gern wiederhören möchte.

 

LĂŒbecker Nachrichten – 14. November 2006

Das LĂŒbecker Kammerorchester hat Grund zum Feiern. Es ist zehn Jahre alt geworden. Am vergangenen Sonntag hat das Orchester in einem Konzert in St. Aegidien seinen Stil und seine Klasse unter Beweis gestellt. Auf dem Programm standen Modest Mussorgskis “Eine Nacht auf dem kahlen Berge”, das Violinkonzert von Philip Glass, Bachs Toccata und Fuge in d-Moll (im Original fĂŒr Orgel und in der Orchesterbearbeitung von Leopold Stokowski) und Camille Saint-Saens’ Orgelsinfonie Nr. 3 in c-Moll.

Unter der Leitung von Bruno Merse erklang ein bedrĂ€ngender Mussorgski, dĂŒster und dicht, eine Musik, die nur zum Schluss ein wenig Hoffnung gibt. Merse dirigierte exakt und dynamisch, hatte dabei immer eine angenehme Ausstrahlung, die sich auf die Musiker ĂŒbertrug.

Bachs Toccata und Fuge in d-Moll ist ebenfalls ein aufwĂŒhlendes StĂŒck. Kraftvoll setzte Klaus Meyers es in Szene. Im Mittelteil lief dann nicht alles rund. Dennoch hat der Organist die Vielschichtigkeit, das MĂ€chtige, aber auch Zarte des Werkes herausgearbeitet. Die Orchesterversion zeigte dann, wie eine andere Besetzung ein Klangbild verharmlosen kann, denn die Endzeitstimmung, die dieser Musik anhaftet, kann nur die Orgel hervorrufen.

Langen Beifall gab es fĂŒr den Solisten des Violinkonzertes: Florin Iliescu studiert in LĂŒbeck in der Klasse von Christiane Edinger. Sein weicher, schön gefĂŒhrter Violinklang war beeindruckend. Als großes Finale erklang Saint-Saens’ Orgelsinfonie, in der das Kammerorchester die Register seines Könnens noch einmal ziehen konnte. Der große Streicherklang, die ĂŒppige BlĂ€serbesetzung, ergĂ€nzt von Orgel und Klavier und das aller zusammengehalten von einem charismatischen Dirigenten beschlossen einen gelungenen Abend.

LĂŒbecker Nachrichten – 9. Mai 2006

Der runde Orchesterklang, die stimmliche Ausgewogenheit des Chores und die sehr gute Programmgestaltung ließen das Konzert in St. Aegidien zu einem französisch angehauchten Genuss werden. Unter dem Titel “Frankreich und Paris” prĂ€sentierten das LĂŒbecker Kammerorchester und der Chor St. Johannis aus Hamburg-Altona ĂŒberwiegend spĂ€tromantische und impressionistische Werke. Die Leitung hatte Mike Steurenthaler, dessen Bewegungen nichts ÜberflĂŒssiges zeigten, aber auch nicht ĂŒbertrieben sparsam wirkten…

VorzĂŒglich … spielten die beiden Solisten: Adrian Iliescu (Violine) und Sigrid Strehler (Violoncello). Die Cellistin interpretierte Gabriel FaurĂ©s “Elegie fĂŒr Violoncello und Orchester” klangvoll und beseelt. Adrian Iliescu erhielt fĂŒr Ernest Chaussons “PoĂšme fĂŒr Violine und Orchester” viel Beifall. Er hatte das Werk ausdrucksstark und lebendig gestaltet. Und auch bei ihm war die innere Beteiligung zu spĂŒren, also eine MusikalitĂ€t, die nicht nur reproduzierte, sondern das Werk neu entstehen ließ.

Der zweite Teil gehörte ĂŒberwiegend dem Vokalensemble. Die AtmosphĂ€re verĂ€nderte sich, wurde feierlicher…Im letzten Werk des Abends zeigten die SĂ€nger … ihre Vielseitigkeit: In CĂ©sar Francks “Psalm 150” bereicherte der akkurat und ausgewogen singende Chor die romantischen OrchesterklĂ€nge.

LĂŒbecker Nachrichten – 8. MĂ€rz 2005

Das LĂŒbecker Kammerorchester…sieht es als seine ebenso schöne wie dankbare Aufgabe an, seltene Sinfonik und vergeßene Chorwerke aufzufĂŒhren. Das war auch wieder am Sonntag zu erleben, als ein reizvolles Programm viele Hörer in St. Aegidien versammelt hatte. Wann etwa ist die balladeske “Landerkennung” von Edvard Grieg einmal zu erleben ?…Grieg hat die Heimfahrt des mittelalterlichen norwegischen Königssohnes in Musik gesetzt. Olav, in Russland aufgewachsen, kam per Schiff in seine Heimat, und als er die norwegische KĂŒste erkannte, ĂŒberwĂ€ltigte ihn die Freude: “Auf tat sich’s Land in FrĂŒhlingspracht”.

Das Kammerorchester spielte sie unter der straffen Leitung von Mike Steurenthaler mit großem Ton und gab seine Freude daran an den Chor von St. Johannis aus Hamburg-Altona weiter. Die zumeist jungen SĂ€ngerinnen und SĂ€nger hatten zuvor in einem Chorwerk von Brahms, dem berĂŒhmten “Schicksalslied” nach Hölderlin, den schwermĂŒtigen Ernst der selten aufgefĂŒhrten Komposition kraftvoll ĂŒbermittelt…

Das Orchester bewies seine Kompetenz vor allem in dem unterschĂ€tzten Cellokonzert op. 85 von Edward Elgar. Der Solistin Sigrid Strehler von der LĂŒbecker Philharmonie, vor drei Jahren mit dem FurtwĂ€ngler-Förderpreis ausgezeichnet, kam damit eine außerordentliche Aufgabe zu. Sie meisterte sie mit einer ihr eigenen spielerischen Eleganz. Die “Tragische OuvertĂŒre” von Brahms, das von anderen Orchestern gern gemiedene dunkle GegenstĂŒck zur auftrumpfenden Akademischen FestouvertĂŒre, ergĂ€nzte das Programm.

Eröffnet worden war es von einer Suite englischer Volkslieder in den harmonischen Effekten von Ralph Vaughan Williams. Sie waren einst einer MilitĂ€rkapelle in die Notenhalter gegeben worden, und es war sicher etwas Seltenes, dass Marschmusik in tĂŒchtigen Rhythmen durch St. Aegidien klang.

LĂŒbecker Nachrichten – 28. September 2004

Trotz eines an Musik- und anderen Kulturangeboten reichen Sonntagabends war die Aegidienkirche gut besucht beim Konzert des LĂŒbecker Kammerorchesters. Die Zuhörer wurden nicht enttĂ€uscht, denn dieses Orchester, das zwar kein Laien-, aber doch ein Freizeitorchester ist, bot (in kaum noch kammermusikalischer Besetzung) beachtliche Leistungen.

Bruno Merse, sonst Zweiter Konzertmeister der LĂŒbecker Philharmoniker, leitete es sicher – voller Energie erklangen Griegs Sinfonische TĂ€nze und angemessen elegisch Samuel Barbers Streicher-Adagio. Woran es mitunter fehlte, das waren die dynamischen Kontraste – auch wenn zugestanden sei, dass die Kirchenakustik die Gestaltung von Details nicht leicht machte…Etwas akademisch klang das bei Oliver Grönewald in Auftrag gegebene Posaunenkonzert – trotz aller Jazz-AnklĂ€nge. Das war aber eher ein Problem der Komposition als des Orchesters oder des vorzĂŒglichen Solisten Laszlo Pete. Im Ganzen ein hörenswertes Konzert.

LĂŒbecker Nachrichten – 9. MĂ€rz 2004

Kanada hieß der LĂ€nderschwerpunkt beim Konzert des LĂŒbecker Kammerorchesters (LKO). Gleich zwei UrauffĂŒhrungen standen auf dem Programm unter Leitung des kanadischen Dirigenten Frank Klassen in St. Aegidien. Da war zum einen die “Abschiedssinfonie” des Friedhelm-Döhl-SchĂŒlers Peter Heeren, zum anderen die von Reiner Schult geschriebene Orchesterfassung von Oscar Petersons “Canadiana Suite”, mit der das Konzert swingend beendet wurde…

Acht kleine SĂ€tze instrumentierte Reiner Schult nach Oscar Petersons “Kanadischer Suite” von 1964 speziell fĂŒr das groß besetzte LKO, das mit starker BlĂ€sersektion zur Bigband wurde. Der Komponist reist mit dieser Musik durch Kanadas Landschaften – und da wippte in der Kirche schon mal ein Fuß mit, wenn zu Swing, Blues, Bop oder Square Dance eingeladen wurde.

Unterhaltend war die VerknĂŒpfung verschiedener musikalischer Welten in Janis Kalnins “New Brunswick Rhapsody”: Vom Heulen der StĂŒrme bis zum Kontrast von MilitĂ€rmusik und Tanzkapelle bescherte das bestens vorbereitete Orchester abwechslungsreiche KlĂ€nge…Abgerundet wurde das vielseitige Programm unter der inspirierenden Leitung von Frank Klassen durch Dvoraks “Amerikanische Suite” von 1895.

Marner Zeitung – 8. MĂ€rz 2004

Das Marner Konzertpublikum ist von seinem komponierenden Kantor so Einiges gewohnt: Doch nun griff Peter Heeren in die hohe Schule des Symphonischen – und es wurde ein voller Erfolg. Die gesamte Programmzusammenstellung des Abends war so ungewöhnlich wie interessant. Der Gastdirigent des LĂŒbecker Kammerorchesters, Frank Klassen, hatte aus seiner Heimat Kanada Musik im ReisegepĂ€ck, die hierzulande selten oder gar nicht zu hören ist.

Das Orchester gab zu Beginn sogleich eine beeindruckende, farbige Visitenkarte bester Filmmusik ab. In großer Orchesterbesetzung mit Schlagwerk erklang “Fall Fair” von Godfrey Ridout. Der Dirigent wußte seinen Klangkörper in der großen Kirchenakustik prĂ€zise zu fĂŒhren und schoss ein Feuerwerk der verschiedensten Orchesterklangfarben ab…

Das Publikum war aber vor allem wegen der UrauffĂŒhrung von Peter Heerens “Abschiedssinfonie” erschienen…Genau so wie die Rhythmen und Harmonien der kanadischen Kompositionen ihren amerikanischen Einfluß nicht leugnen, kann Peter Heeren sich dem Einfluß der so genannten 2. Wiener Schule nicht entziehen. Doch nicht das kopierende Nacheifern nach sinfonischen Effekten ist Heerens kompositorische StĂ€rke, vielmehr fĂŒhrt er in subtilster Manier den Zuhörer in Klanglandschaften von bisher nicht gehörter plastischer MystizitĂ€t…Der Soloviolinist im ersten und zweiten Satz, Ian Mardon, brachte mit Eindringlichkeit und wundervollem Ton emotionale Tiefe in das ruhige Gesamtwerk…

LĂŒbeckische BlĂ€tter – 13. Dezember 2003

Mit der UrauffĂŒhrung des Konzertes fĂŒr Kammerorchester des LĂŒbecker Komponisten Reiner Schult erregte das LĂŒbecker Kammerorchester in seinem Konzert… in der Aegidienkirche Aufsehen. Das viersĂ€tzige schillernde Werk erlaubte dem Orchester, alle Klangfarben des kompletten BlĂ€sersatzes sowie der erfahrenen Streicher zu entfalten. Witzig, modern, aber dennoch melodisch kam das StĂŒck bei den Zuhörern hervorragend an. Der Döhl-SchĂŒler Reiner Schult konnte den Dank des Publikums und des Orchesters direkt entgegennehmen, denn er ist selbst Angehöriger des seit 1996 existierenden Klangkörpers.

Das LĂŒbecker Kammerorchester hat sich zum Ziel gesetzt, sowohl die traditionelle klassische Musik zu pflegen als auch zeitgenössische Musik zu Gehör zu bringen. Es zeigte daher auch bei der AuffĂŒhrung der 2. Sinfonie von Beethoven und des 3. Hornkonzerts von Mozart seine hohe ProfessionalitĂ€t und Spielfreude.

Mit dem gleichen Programm konzertierte das Orchester einen Tag zuvor…in der Basilika in Altenkrempe bei Neustadt. Diese mittelalterlichen GemĂ€uer mit einer hervorragenden Akustik boten den Werken ebenfalls einen wĂŒrdigen Rahmen.

Der fĂŒr dieses Projekt engagierte Dirigent Bruno Merse motivierte das Musikerensemble zu Höchstleistungen. Gutes GespĂŒr fĂŒr die Leichtigkeit und den Jagdeifer in Mozarts 3. Hornkonzert zeigte der Solist des Abends, Hendrik WĂ€chter…

LĂŒbecker Nachrichten – 6. November 2003

Expressiv, klangreich und phantasievoll komponiert ist das Konzert fĂŒr Kammerorchester des 43-jĂ€hrigen LĂŒbecker Komponisten Reiner Schult. Frisch und mit viel Elan gestaltete das LĂŒbecker Kammerorchester unter Leitung von Bruno Merse die UrauffĂŒhrung des fĂŒr die Musiker schwer zu spielenden Werkes in der Basilika Altenkrempe.

Reiner Schult, als Violinist im Orchester, nutzt im Konzert barocke Formen und verfremdet auch barocke Motive. Er mischt tonale KlĂ€nge mit Reihentechnik, schĂ€tzt Symmetrie, Tonschichtungen und kraftvolle Klangfarben. Er hat Gedanken und GefĂŒhle in Töne gesetzt und Musik geschrieben, die kaum aggressiv ist, nicht langweilt, sondern ins Ohr geht. Mit großem Können spielten BlĂ€ser, Streicher, Schlagzeuger ihren Part, energisch, fordernd und vorwĂ€rtsdrĂ€ngend von Bruno Merse geleitet. Schmetternder BlĂ€serklang mischte sich mit der Streichermusik in der Sinfonia. Imposant hat Schult seine Fuge komponiert. Die gegensĂ€tzlichen Variationen gingen ĂŒber in ein mit Verve gespieltes Rondo.

Musizierfreudig erklang auch das Konzert fĂŒr Horn und Orchester Nummer 3, Es-Dur, …von Wolfgang Amadeus Mozart… Die LĂŒbecker arbeiteten die kĂŒhnen Harmonien und die farbige Instrumentation gut heraus, sie gestalteten die Romanze des Mittelsatzes voller Empfindungen. Schwungvoll erklang dann das Allegro. Der in LĂŒbeck studierende Hendrik WĂ€chter blies sauber, gefĂŒhlvoll und mit sattem Klang das Horn.

Ein herrlicher Schluss war dann die 2. Sinfonie D-Dur…von Ludwig van Beethoven…Mit Konzentration und offenkundiger Freude am Zusammenspiel ließen die LĂŒbecker das sieghafte Hauptthema des Adagios erklingen und die von wechselnden Instrumenten vorgetragene friedliche Melodie des zweiten Satzes in einen lĂ€ndlichen Tanz ĂŒbergehen. Dem ausgelassenen Scherzo mit dem fröhlichen Wechsel von BlĂ€sern und Streichern folgten die hymnischen KlĂ€nge des Schlußes. Lange applaudierten die Zuhörer und dankten dem Orchester fĂŒr ein herrliches Konzert.

LĂŒbecker Nachrichten – 4. MĂ€rz 2003

Wie reichhaltig die LĂŒbecker Konzertszene ist, konnte einmal mehr am Sonntag beim Konzert des LĂŒbecker Kammerorchesters in der gut besuchten Aegidienkirche erfahren werden…Das LĂŒbecker Kammerorchester setzt sich zusammen aus Studierenden, musikbegeisterten Laien und alterfahrenen Berufsmusikern, verfĂŒgt insgesamt aber ĂŒber einen ausgesprochen “jungen” Klang, der sich voll und weich, leicht und durchsichtig (herausragend die HolzblĂ€ser), manchmal etwas zögerlich und vorsichtig in der halligen Kirchenakustik entfaltete…Die aparte Programmzusammenstellung gewĂ€hrte AufschlĂŒsse ĂŒber Nebenbereiche des Schaffens von Glinka, Dvorak und Borodin…